Das OFF-Theater spielt Manuel Puigs Kuss der Spinnenfrau

Kuss der Spinnenfrau (c) OFF Theater

 

Das OFF-Theater feiert mit dem Kuss der Spinnenfrau eine gelungene Premiere. Eine Inszenierung, die überzeugt.

Valentin und Molina haben nicht viel gemeinsam. Die beiden Häftlinge – der eine politischer Gefangener, der andere Homosexueller, der für seine Lebensart sitzen muss- teilen sich eine Gefängniszelle, während draußen eine Militärdiktatur das Leben der Menschen beherrscht. Während anfangs noch gegenseitige Vorurteile überwiegen, finden die beiden mit der Zeit eine gemeinsame Vorliebe, die sie einander näherbringt: die Phantasiewelt der Filme, die sie Folter und Freiheitsentzug leichter ertragen lässt.

Die neue Produktion des OFF-Theaters, das Drama Kuss der Spinnenfrau des Argentiniers Manuel Puig, ist ein zartes Plädoyer an die Freundschaft und die Liebe. In einer Welt, die jede freie Lebensweise verurteilt und Hass schürt, und Werte wie Freundschaft oder Liebe kaum eine Chance haben, treffen sich zwei Menschen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten- der stramme und treue Genosse Valentin, und der gefühlvolle Homosexuelle Molina, gespielt von Maximilian Pfnür und Clemens Ansorg.

Während sich Valentin zu Beginn nur zögerlich auf die Filmnacherzählung von Molina einlässt, verfällt er ihnen nach einiger Zeit. Mit der neu gewonnenen Nähe kommt aber auch gefährliches Vertrauen: Valentin will sich Molina politisch anvertrauen – der will aber davon nichts wissen, denn was er nicht weiß, kann er bei der Folter nicht sagen.

Aus dem sich daraus entwickelnden Spiel zwischen Annährung und Entfremdung mauerst sich die Bekanntschaft der beiden zu einer Freundschaft, die schließlich in einer gemeinsamen Nacht mündet.

Regisseur Alex Linse hat Puigs Thesenroman auf engstem Raum inszeniert: ein winziges Quadrat inmitten der Bühne wird zur Gefängniszelle der beiden Inhaftierten. Eindrucksvoll werden so dem Publikum, das auf allen vier Seiten Platz zu Beginn des Stückes Platz nimmt, die schier unendlich wirkenden Tage der beiden Häftlinge gezeigt. Die Grenzen von Zeit und Raum verschwimmen so ineinander.

Einspielungen aus dem Off lassen die Inszenierung zusätzlich schlagartig nach oben schnellen: das Militär nötigt Molina, Valentin auszuspionieren und zu verraten.  Molina kommt frei, zu einer gemeinsamen Freiheit kommt es aber nicht: aus dem Off heraus berichten die beiden über das Ende ihrer Tage. Alex Linses Inszenierung überzeugt: die schlüssige Adaptierung des Thesenromans, der als wichtigstes politisches Statement Puigs gilt, fesselt und fasziniert.

 

Dauer: ca. 100 Minuten

Regie: Alex Linse

Besetzung: Clemens Ansorg, Maximilian Pfnür